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14. November 2008

Weihnachten 2008: Jedes Kind hat das Recht zu lernen

Bildung institutionalisieren - Bau und Betrieb einer Dorfschule für 180 Grundschulkinder in Gidari, Bangladesch

Seit Weihnachten 2005 engagieren wir uns für Bildungsprojekte in Bangladesch und verfolgen die persönliche und schulische Entwicklung der Schulkinder mit großem Interesse und großer Freude. Insbesondere, dass sich die Teilhabe an schulischer Ausbildung positiv auf die gesamte Lebenssituation der Kinder und ihrer Familien auswirkt, bestätigt uns in unserem Engagement. So nehmen wir Weihnachten 2008 gerne zum Anlass, dieses Engagement zu verstärken und Kindern aus den ärmsten Bevölkerungsteilen Bangladeschs Bildungschancen zu schenken.

Bildung schenken: Vom Projekt Grundbildung zum Projekt Schulbildung
In den letzten drei Jahren durften wir als Paten des Entwicklungshilfeprojektes „Schulbildung für Kinder ethnischer Minderheiten in Bangladesch“ dazu beitragen, dass 30 Kinder des Dorfes Baoitshandi grundlegende schulische Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen erwerben können. Heute freuen wir uns, dass alle Kinder dieses erste Bildungsziel für sich erreicht haben und nun eine staatlich anerkannte Schule besuchen.

Der Erfolg dieser Maßnahme und die Nähe zu den Kindern, die wir auf ihrem Grundbildungsweg begleiten durften, haben uns ermuntert, noch einen Schritt weiter zu gehen und in den nächsten vier Jahren die Institutionalisierung der Schulbildung zu unterstützen - indem wir eine Dorfgrundschule für 180 Kinder finanzieren. Unser Ziel ist es, am Ende dieser Zeit eine staatlich voll anerkannte Schule in die finanzielle und organisatorische Obhut der Schulbehörde Bangladeschs zu übergeben.

Dies soll in diesem Jahr unser Weihnachtsgeschenk sein. Ein Geschenk an die Kinder und ein Stück von uns selbst, das uns in das neue Jahr begleiten soll.

Schülerin in der 1. Klasse an der Tafel
Schülerin
1. Klasse

stolze Schülern 1. Klasse
stolze Schülerin
1. Klasse

2. Klasse Unterricht
Unterricht
2. Klasse
Schreibübung
Schreibübung
Schülerin in der 2. Klasse
Schülerin
2. Klasse

Die Situation - Elementare Bildung als Hilfe zur Selbsthilfe
In Bangladesch leben so viele Menschen in Armut wie in den ärmsten 10 afrikanischen Ländern zusammen. Bildung ist eine Grundvoraussetzung, um der Armutsspirale zu entkommen. 4,6 Millionen Kinder in Bangladesch zwischen 6 und 10 Jahren gehen nicht zur Schule. Meist sind es die Kinder aus den ärmsten Familien. 88% von ihnen leben in ländlichen Gebieten.

Das Schulsystem des südasiatischen Landes hat nach wie vor große Defizite. Weniger als 50% der eingeschulten Kinder erreichen tatsächlich den Grundschulabschluss. Die Qualität des Unterrichts ist oft sehr dürftig. In Krisenzeiten müssen zudem die armen Familien alle Ausgaben kürzen, die nicht zwingend zum täglichen Überleben notwendig sind. In den letzten Monaten sind die Preise für Lebensmittel extrem angestiegen. Dadurch mussten viele Eltern ihre Kinder aus der Schule nehmen.

Zugleich gibt es immer mehr Koranschulen, eine äußerst problematische Entwicklung, da zum Teil enge Beziehungen zwischen Schulverwaltung, Lehrern und den Lokalgruppen islamistischer Parteien bestehen. Politisch neutrale Bildung ist eine Grundvoraussetzung für die weitere Entwicklung der Demokratie in Bangladesch.

NETZ - Organisierte Entwicklungshilfe für Bangladesh
Die Organisation NETZ Bangladesch unterstützt die Selbsthilfe der Bevölkerung und konzentriert sich dabei bewusst auf die Ärmsten der Armen. In Dörfern, in denen diese Kinder keine Schule besuchen, fördert NETZ den Aufbau von Grundschulen. Dabei arbeitet NETZ mit engagierten Dorfgemeinschaften oder einzelnen Personen zusammen, die sich für die Bildung der Kinder in ihrer Region einsetzen.

Anondolok School - „Die Schule der glücklichen Leute“ im Dorf Gidari, Bangladesch
Im Dorf Gidari im Distrikt Gaibandha im Norden Bangladeschs soll eine Grundschule für 180 Kinder entstehen, die von der Dorfgemeinschaft getragen wird. Gute Unterrichtsqualität soll erreicht werden, so dass 90% der Kinder eines Jahrgangs jeweils den Grundschulabschluss erlangen. Das Modell einer kindgerechten Grundschule soll als Positivbeispiel Anreiz zur Nachahmung für andere Dorfgemeinschaften bieten. Die Dorfbewohner nennen die Schule bereits liebevoll „Anondolok School“. Das bedeutet übersetzt etwa „Die Schule der glücklichen Leute“.

Unterricht in der 1. Klasse
Unterricht in der 1. Klasse

2. Klasse Unterricht
2. Klasse Unterricht

Schulgebäude in Gidari im Bau
Schulgebäude im Bau

Projektdurchführung und Schulbetrieb
Das Schulgebäude ist bereits im Bau. Es sind drei Klassenräume, ein Lehrerzimmer sowie Toiletten – für Jungen und Mädchen getrennt – vorgesehen. Drei Lehrer/innen und eine Hilfskraft sorgen für regelmäßigen Unterricht. Ein/e Supervisor/in ist zuständig für die Qualität des Unterrichts und die Fortbildung der Lehrer/innen. Einmal im Jahr wird ein Gesundheitscheck durch ein Ärzteteam durchgeführt. Bei der Einschulung wird darauf geachtet, dass mindestens 50% der Kinder Mädchen sind. Kinder aus den ärmsten Familien werden systematisch und gezielt eingeschult. Von ihnen werden keine Schulgebühren erhoben.

Unterrichtet werden die Klassen 1 bis 5 der Grundschule. In einer Vorschulklasse werden die Kinder auf die Schule vorbereitet. Verwaltet wird die Schule von einem Dorfkomitee. Der Schulbau sowie das Gelände werden als Gemeinschaftsbesitz registriert. Die Schule soll innerhalb von vier Jahren die Anerkennung der staatlichen Schulbehörde erhalten, so dass dann die Gehälter der Lehrkräfte vom bangladeschischen Staat finanziert werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Entwicklungshilfeorganisation NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit e.V. www.bangladesch.org.