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04. Oktober 2011

Interview "Standardisierung und Integration"

Ein Gespräch mit Dr. Andreas Schumann, CIO der KHS GmbH, zur Rolle des CIOs, zur Lösungsorientierung der IT und zur SAP-Strategie der KHS-Gruppe.


  • Dr. Andreas Schumann, CIO der KHS GmbH cbs: Herr Dr. Schumann, Sie sind seit 2000 CIO der KHS GmbH. Inwiefern entspricht bei der KHS die IT- der Unternehmensstrategie?

  • Dr.S.: Die IT-Strategie hat immer zwei Facetten. Die innere, welche die Frage beantwortet, wie ein Unternehmen sein IT-Geschäft betreibt. Dies beinhaltet IT-Prozesse und Governance. Hier orientieren wir uns an der Unternehmensstrategie, indem wir Speed, Effektivität und Wertorientierung in den Vordergrund stellen.

    Auf der anderen Seite steht die anwendungsbezogene Strategie. In anderen Worten: Welche Services erbringt die IT und welche neuen Lösungen führt sie ein. Diese Sicht ist entscheidend aus dem Business abgeleitet, auch wenn nicht immer explizite Vorgaben bestehen.

  • cbs: Wie würden Sie den erfolgreichen IT-Manager beschreiben? Welche Rolle hat ein CIO in heutigen Unternehmen wie bei der KHS?

  • Dr.S.: Ein IT-Manager muss im Unternehmen gut verankert sein. Als vernetzt denkender Manager möchte er den Bedürfnissen seiner Kunden zwei bis drei Züge voraus sein. Er versteht den Problemdruck seiner Kunden und setzt die Lösung im unternehmerischen Gesamtzusammenhang mit Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit um. Er muß aber auch unausgesprochene Notwendigkeiten erkennen und Entwicklungen antizipieren, deren Tragweite den Fachbereichen ggf. noch nicht bewusst ist. So beugt er Lösungen vor, die zu späteren Problemen führen, weil sie sich in anderen Aspekten und Kontexten neutralisieren. Dabei ist natürlich Einiges an Einfühlungsvermögen gefragt.

    Es ist oft nicht leicht, dem Kollegen und Kunden im Unternehmen machbare Lösungswege aufzuzeigen ohne zu verstehen zu geben “nein, so einfach geht das nicht”. Denn der Anwender stellt naturgemäß seine Interessen in den Mittelpunkt. Den Gesamtzusammenhang einzubringen und im Sinne einer Unternehmenslösung zu vermitteln ist häufig unsere Aufgabe als IT-Manager.

  • cbs: Die IT ist also nicht nur Lösungslieferant sondern auch Berater. Können Sie ein Beispiel für den Einfluss dieser beratenden Rolle bei KHS nennen?

  • Dr.S.: Ein gutes Beispiel ist das SAP GTS-Projekt, welches wir in 2005 zusammen mit der cbs realisiert haben. Es gab dazu einige kompetente Anbieter, welche die Problematik der Zoll-Compliance fachlich perfekt “stand alone” ausleuchten konnten.
    Doch die Herausforderung bestand darin, eine integrierte, strategische Compliance-Lösung für den Außenhandel zu schaffen. Dies ging über den unmittelbaren Aspekt, der KHS in Deutschland eine elektronische Zollanmeldung zu ermöglichen, hinaus. IT und Fachbereiche haben erkannt, dass wir strategische Lösungspartner ins Boot holen mussten. Diese Partner waren SAP als Softwarelieferant, die cbs als Anwendungsberater und die GESIS, unsere Konzern-IT, als Hosting-Dienstleister.

  • cbs: Sie setzen bei der KHS in diesem Zusammenhang SAP ein. Welche Bedeutung hat SAP Software in Ihrem Unternehmen?

  • Dr.S.: SAP ist für uns von zentraler Bedeutung. Die KHS ist ein frühes, traditionelles SAP-Anwenderunternehmen, ein Anwender der ersten Stunde. SAP steht für mich stellvertretend für zwei Maximen unserer IT-Strategie: Für Integration und Standardisierung. Ich selber habe bereits in den 90er Jahren beide SAP-Prinzipien verinnerlicht. Sie sind für uns Leitplanken zur Gestaltung unserer Prozesslösungen und die Grundlage für die Systemarchitektur, die wir bei KHS in den nächsten Jahren weltweit zur Verfügung stellen möchten.

  • cbs: Integration und Standardisierung sind also über die Zeit die Konstanten Ihrer IT-Bebauungsplanung geblieben. Wie sehen sie diese Ideen in den Produkten der SAP bis heute verwirklicht?

  • Dr.S.: Die SAP hat es uns nicht wirklich leicht gemacht, unseren Prinzipien treu zu bleiben. Die Lizenzmodelle sind heute kaum zu durchschauen. Auch die Systemlandschaft, die Aufsplittung in Komponenten der Business Suite, von SAP NetWeaver usw., ist eine Entwicklung, die ich kritisch sehe, weil sie zusätzliche technische Komplexität und Kosten erzeugt.

    Die KHS betreibt ein gehostetes SAP ERP System, und wir versuchen getreu unseren Maximen der Integration und Standardisierung möglichst viele Lösungen darin zu verwirklichen. Mit SAP NetWeaver und Business Suite ist das Prinzip der absoluten Integration nicht mehr zu halten. Wir reagieren darauf mit entsprechender Flexibilität und suchen die Vorteile für uns zu nutzen. SAP ist und bleibt der rote Faden unserer IT-Strategie. SAP ERP ist unsere Kernapplikation, in die wir, seit ich CIO bei KHS bin, rund ein dutzend Gesellschaften integriert haben.

  • cbs: Wo sehen Sie den Mehrwert einer Standardisierung durch den Einsatz von SAP-Software?

  • Dr.S.: Standardisierung bedeutet für uns in erster Linie Vereinheitlichung auf betriebswirtschaftlicher Ebene. Zum einen schaffen wir Ordnung, gleiche Strukturen, einheitliche Normen und formelle Standards. Zum anderen wollen wir die Führung des Unternehmens unterstützen, indem wir Geschäftsprozesse vernetzen und vereinheitlichen. Software liefert Funktionalität. SAP-Software bietet darüber hinaus die Chance, hoch integrierte und einheitliche Prozesse zu gestalten. Diese Chance wollen wir nutzen.

  • cbs: Was ist Ihre Zukunftsvorstellung? Wie soll die Systemarchitektur der KHS in 10 Jahren aussehen?

  • Dr.S.: Ich sehe als Ziel ein SAP Ein-Mandanten-System, in dem alle Auslandsgesellschaften integriert sind. Wir haben mit Brasilien (Download Projektbericht) begonnen und werden mit allen anderen Tochtergesellschaften fortfahren. Denn nur mit einem einheitlichen System und standardisierten Prozessen sind die Gesellschaften effizient zu führen.

  • cbs: Sie verbinden mit der Standardisierung auch einen Führungsanspruch.

  • Dr.S.: Ganz richtig. Wir wollen mit SAP eine gleiche technische und betriebswirtschaftliche Basis auch für unsere Auslandsgesellschaften schaffen. Damit wird die Muttergesellschaft globaler Taktgeber in der Gruppe. Unser Template Roll-out soll uns das ermöglichen.

  • cbs: Wenden wir uns abschließend noch einigen innovativen Themen zu. Mobile Anwendungen sind in aller Munde. Die cbs bietet ihren Kunden beispielsweise Lösungen zur mobilen Integration von SAP BI und SAP CRM via Apple iphone und iPad an. Was ist Ihre Meinung dazu?

  • Dr.S.: Mobile Anwendungen sind sicherlich ein Thema, das uns bei der KHS IT beschäftigt. Ob die BI-App auf dem IPhone wirklich ein relevantes Szenario ist, bezweifele ich allerdings. Dem echten Manager dürften unterwegs Informationen genügen, für deren Visualisierung man nicht unbedingt ein iphone benötigt.

    Im Bereich des Außendienstes sind mobile Lösungen natürlich ein Muß und wir stehen hier den „i“-Technologien offen und neugierig gegenüber. Denn hiermit können daraus Entwicklungen entstehen, die völlig neue, ungeahnte Perspektiven eröffnen. Allerdings müssen wir zu einer Klärung kommen, ob diese Geräte zusätzlich zum normalen Rechnerarbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden, ob wir parallel zu unserem Client-Management ein Endgerätemanagement aufbauen müssen und welche Konsequenzen dies für die IT-Budgets hat.

  • cbs: Dr. Schumann, welche Relevanz hat das Thema „Cloud Computing“ für Sie und die KHS?

  • Dr. S.: Der Begriff des Cloud Computings hat in den letzten drei bis vier Jahren eine rasante Metamorphose erfahren. Die erste Definition war die einer Gruppe von Rechnern, die ihre „Intelligenz“ bündeln. Der Begriff hat inzwischen so viele Bedeutungsverschiebungen erfahren, dass ich aufgehört habe, den Definitionen im Einzelnen zu folgen. Die KHS arbeitet eigentlich bereits seit 10 Jahren „Cloud“-basiert. Unser ERP-System steht bei unserem Outsourcer in Dortmund, das GTS steht in im Rechenzentrum unserer Konzermutter in Salzgitter.

    Unabhängig davon ist die Cloud für mich ein strategisches Instrument. In der IT ist heute eine hohe Flexibilität erforderlich. Cloud ermöglicht mehr Schnelligkeit in der Umsetzung. Gerade in den IT-Bereichen, in denen schnell einmal unspezifische, generische Anwendungen benötigt werden, die nur geringen Integrationsbedarf haben, ist die Cloud sofort zu empfehlen und anzuwenden.

  • cbs: Herr Dr. Schumann, vielen Dank für das Gespräch.
    Das Gespräch führte Holger Scheel, Mitglied der Geschäftsleitung der cbs


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