Autonomous Enterprise

Ein Autonomous Enterprise beschreibt ein Unternehmensmodell, in dem Geschäftsprozesse zunehmend selbstständig arbeiten. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und intelligente Softwaresysteme ermöglichen es, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu verarbeiten, Zusammenhänge zu erkennen, Entscheidungen vorzubereiten und innerhalb definierter Grenzen eigenständig Prozessschritte auszuführen. Im SAP-Umfeld wird diese Entwicklung insbesondere durch Technologien wie SAP Joule, SAP Business AI und KI-Agenten unterstützt.

Dabei werden intelligente Funktionen direkt mit Unternehmensdaten, Geschäftsanwendungen und bestehenden Geschäftsprozessen verbunden. SAP Joule dient als KI-Assistent innerhalb der SAP-Landschaft und ermöglicht die Interaktion mit Geschäftsanwendungen und Informationen über natürliche Sprache. In Verbindung mit weiteren KI- und Agenten-Technologien können daraus zunehmend selbstständige Prozessabläufe entstehen.

SAP latest reality for the autonomous enterprise
SAP latest reality for the Autonomous Enterprise

Das Ziel eines Autonomous Enterprise ist es, Geschäftsprozesse von einer überwiegend manuellen und regelbasierten Ausführung hin zu adaptiven, proaktiven und zunehmend autonomen Abläufen weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht darum, den Menschen aus den Geschäftsprozessen herauszunehmen. Vielmehr verändert sich die Aufgabenverteilung zwischen Mensch und Technologie: Systeme übernehmen zunehmend operative Aufgaben, während Mitarbeiter dort eingreifen, wo fachliche Beurteilung, Kontrolle oder strategische Entscheidungen erforderlich sind.

Was ist ein Autonomous Enterprise?

Ein Autonomous Enterprise ist ein Unternehmen, in dem Systeme einen Teil der operativen Entscheidungsfindung und Prozessausführung selbstständig übernehmen können. Dafür werden Unternehmensdaten, Geschäftsprozesse und intelligente Technologien miteinander verbunden.

Bei klassischen Geschäftsprozessen gibt ein Mitarbeiter einen Vorgang vor und das System führt anschließend definierte Arbeitsschritte aus. In einem Autonomous Enterprise können intelligente Systeme darüber hinaus erkennen, dass eine bestimmte Aktion notwendig ist, relevante Informationen zusammenführen und innerhalb festgelegter Grenzen den nächsten Prozessschritt auslösen.

Autonomie bedeutet dabei nicht, dass ein System ohne Regeln oder Kontrolle handelt. Vielmehr basiert ein Autonomous Enterprise auf einem klar definierten Rahmen aus Daten, Geschäftsprozessen, Berechtigungen, Regeln und Governance. Welche Aufgaben ein System selbstständig übernehmen darf, hängt vom jeweiligen Prozess und dessen Anforderungen ab.

Dadurch kann Autonomie in unterschiedlichen Formen auftreten. Während manche Prozesse weitgehend selbstständig ablaufen können, erfordern andere weiterhin eine menschliche Prüfung, Freigabe oder Entscheidung.

Was zeichnet ein Autonomous Enterprise aus?

Ein Autonomous Enterprise unterscheidet sich von herkömmlichen Prozesslandschaften vor allem dadurch, dass Systeme nicht nur vorgegebene Arbeitsschritte ausführen. Sie können Informationen aus ihrem Geschäftskontext berücksichtigen, Handlungsbedarf erkennen und innerhalb definierter Grenzen selbst aktiv werden.

Zu den wesentlichen Merkmalen gehören insbesondere:

  • Selbstständige Prozessausführung: Systeme können definierte Prozessschritte eigenständig anstoßen und ausführen.
  • Kontextbezogene Entscheidungen: Informationen aus unterschiedlichen Quellen werden zusammengeführt und im Zusammenhang mit dem jeweiligen Geschäftsprozess bewertet.
  • Proaktives Handeln: Systeme können Veränderungen, Abweichungen oder Handlungsbedarf erkennen und darauf reagieren.
  • Anpassungsfähigkeit: Prozesse können auf veränderte Situationen reagieren, anstatt ausschließlich starren Abläufen zu folgen.
  • Menschliche Kontrolle: Mitarbeiter bleiben dort eingebunden, wo Entscheidungen besondere Verantwortung, Freigaben oder fachliche Beurteilung erfordern.

Wie funktioniert ein Autonomous Enterprise?

Die Grundlage bildet das Zusammenspiel von Unternehmensdaten, Geschäftsprozessen, Anwendungen, künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Erst wenn diese Elemente miteinander verbunden sind, können Systeme Informationen nicht nur verarbeiten, sondern daraus auch konkrete Aktionen innerhalb eines Geschäftsprozesses ableiten.

Zunächst werden relevante Informationen aus den vorhandenen Unternehmenssystemen erfasst und verarbeitet. Intelligente Systeme können daraus den aktuellen Zustand eines Geschäftsprozesses ableiten und erkennen, ob Handlungsbedarf besteht.

Im nächsten Schritt wird bewertet, welche Handlung erforderlich ist. Abhängig vom jeweiligen Prozess kann das System eine Entscheidung vorbereiten, einen Mitarbeiter einbeziehen oder eine zulässige Aktion selbstständig ausführen. Das Ergebnis kann anschließend erneut in den Prozess einfließen.

SAP Joule spielt dabei eine wichtige Rolle im SAP-Umfeld. Als KI-Assistent ermöglicht Joule die Interaktion mit Geschäftsanwendungen und Informationen über natürliche Sprache. Dadurch können Anwender beispielsweise Informationen aus ihrem Geschäftskontext abrufen, Aufgaben anstoßen und mit intelligenten Funktionen innerhalb der SAP-Landschaft arbeiten.

In Verbindung mit weiteren KI-Funktionen und KI-Agenten kann sich diese Interaktion von einer reinen Unterstützung hin zu einer stärker eigenständigen Ausführung von Aufgaben entwickeln. KI-Agenten können dabei mehrere Schritte eines Prozesses koordinieren und innerhalb definierter Grenzen Aktionen ausführen.

Vereinfacht lässt sich der Ablauf eines autonomen Geschäftsprozesses als Zusammenspiel von Wahrnehmen, Verstehen, Entscheiden, Handeln und Überprüfen beschreiben.

Wie weit ein System dabei selbstständig handeln darf, wird durch Geschäftsanforderungen, Berechtigungen und Governance festgelegt.

Welche Technologien bilden die Grundlage?

Ein Autonomous Enterprise entsteht nicht durch eine einzelne Technologie. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener technologischer Bausteine, die Daten, Anwendungen und Geschäftsprozesse miteinander verbinden.

  • Künstliche Intelligenz: verarbeitet Informationen, erkennt Muster und unterstützt die Entscheidungsfindung.
  • Generative KI: kann Inhalte erzeugen, Informationen zusammenfassen und die Interaktion mit Unternehmenssystemen erleichtern.
  • KI-Agenten: können Aufgaben planen, mehrere Prozessschritte koordinieren und innerhalb definierter Grenzen Aktionen ausführen.
  • Business AI: verbindet KI-Funktionen mit konkreten Geschäftsprozessen und Unternehmensanforderungen.
  • Daten- und Integrationsplattformen: stellen sicher, dass relevante Informationen aus unterschiedlichen Systemen im richtigen Geschäftskontext verfügbar sind.
  • Governance und Berechtigungen: definieren, welche Entscheidungen und Aktionen Systeme selbstständig durchführen dürfen.

Im SAP-Umfeld spielt SAP Joule dabei eine besondere Rolle als Schnittstelle zwischen Anwendern, Geschäftsanwendungen und KI-Funktionen. Joule ist damit ein Bestandteil der Entwicklung hin zu einer stärker KI-gestützten und zunehmend autonomen Arbeitsweise.

Autonomous Enterprise und Business AI

Business AI beschreibt den Einsatz künstlicher Intelligenz in einem konkreten geschäftlichen Kontext. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die KI-Technologie, sondern ihre Verbindung mit Unternehmensdaten, Anwendungen und Geschäftsprozessen.

Damit bildet Business AI eine wichtige Grundlage für das Autonomous Enterprise. KI kann zunächst Informationen analysieren und Mitarbeiter unterstützen. Mit zunehmender Integration in Geschäftsprozesse können intelligente Systeme darüber hinaus Aufgaben übernehmen und innerhalb definierter Grenzen selbstständig handeln.

Autonomous Enterprise und Agentic Enterprise

Ein Agentic Enterprise beschreibt ein Unternehmensmodell, in dem KI-Agenten zunehmend eigenständig Aufgaben übernehmen, Entscheidungen vorbereiten und mehrstufige Abläufe koordinieren.

Beide Konzepte stehen eng miteinander in Verbindung. Das Autonomous Enterprise beschreibt dabei das übergeordnete Zielbild eines Unternehmens, in dem Geschäftsprozesse zunehmend selbstständig funktionieren. Das Agentic Enterprise legt einen besonderen Fokus auf KI-Agenten, die Aufgaben und Prozesse eigenständig ausführen und koordinieren können.

In welchen Unternehmensbereichen spielt Autonomous Enterprise eine Rolle?

Autonome Geschäftsprozesse können grundsätzlich in unterschiedlichen Unternehmensbereichen eingesetzt werden. Besonders relevant ist der Ansatz dort, wo große Datenmengen verarbeitet, Entscheidungen regelmäßig getroffen oder Prozesse über mehrere Systeme hinweg ausgeführt werden.

Mögliche Einsatzbereiche sind unter anderem:

  • Finance: intelligente und zunehmend autonome Finanzprozesse.
  • Supply Chain: intelligente Planung, Steuerung und Reaktion auf Veränderungen innerhalb der Lieferkette.
  • Procurement: zunehmend selbstständige Beschaffungsprozesse und Unterstützung bei operativen Einkaufsentscheidungen.
  • Sales und Customer Experience: kontextbezogene Kundenprozesse und intelligente Unterstützung im Vertrieb und Service.
  • Human Resources: intelligente Unterstützung und Automatisierung administrativer HR-Prozesse.
  • Manufacturing: zunehmend autonome Produktions-, Planungs- und Steuerungsprozesse.

Die einzelnen Unternehmensbereiche unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Prozesse, Daten und Anforderungen. Deshalb kann der Grad der Autonomie je nach Geschäftsbereich und Anwendungsfall unterschiedlich ausfallen.

Welche Voraussetzungen sind notwendig?

Damit autonome Geschäftsprozesse zuverlässig funktionieren, müssen Unternehmen zunächst die technologischen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Entscheidend sind dabei nicht nur moderne KI-Technologien, sondern vor allem eine belastbare Grundlage aus Daten, Prozessen und Governance.

Hochwertige Unternehmensdaten

Daten müssen verlässlich, verfügbar und im richtigen Geschäftskontext nutzbar sein.

Integrierte Systeme

Relevante Informationen und Prozessschritte müssen über die beteiligten Anwendungen hinweg miteinander verbunden sein.

Klare Prozesse

Transparente und möglichst standardisierte Prozesse erleichtern die Definition autonomer Aufgaben.

Governance

Es muss klar geregelt sein, welche Entscheidungen und Aktionen ein System selbstständig durchführen darf.

Sicherheit und Berechtigungen

Autonome Systeme benötigen kontrollierte Zugriffsrechte und klar definierte technische Grenzen.

Menschliche Verantwortlichkeit

Für kritische Entscheidungen und Prozesse müssen Zuständigkeiten und Kontrollmechanismen festgelegt sein.

Welche Vorteile bietet das Konzept?

Die zunehmende Autonomie von Geschäftsprozessen kann Unternehmen dabei unterstützen, Abläufe effizienter, schneller und flexibler zu gestalten. Insbesondere repetitive und datenintensive Tätigkeiten lassen sich stärker automatisieren, während Mitarbeiter sich auf Aufgaben konzentrieren können, die Erfahrung, Beurteilung und strategisches Denken erfordern.

Zu den möglichen Vorteilen gehören:

  • weniger manuelle Routinearbeit
  • schnellere Prozessabläufe
  • kürzere Reaktionszeiten
  • bessere Nutzung vorhandener Unternehmensdaten
  • proaktiveres Handeln bei Veränderungen
  • höhere Skalierbarkeit von Geschäftsprozessen
  • Entlastung von Mitarbeitern bei wiederkehrenden Aufgaben

Der tatsächliche Nutzen hängt dabei wesentlich von der Qualität der Prozesse, Daten und technischen Umsetzung ab. Autonomie ist deshalb kein Selbstzweck, sondern sollte gezielt dort eingesetzt werden, wo sie einen konkreten Mehrwert für das Unternehmen schafft.

Welche Herausforderungen entstehen?

Mit zunehmender Autonomie steigen auch die Anforderungen an Unternehmen. Systeme, die selbstständig Entscheidungen treffen oder Aktionen ausführen, benötigen einen klar definierten Rahmen und müssen nachvollziehbar und kontrollierbar bleiben.

Datenqualität

Fehlerhafte oder unvollständige Daten können zu falschen Ergebnissen und Entscheidungen führen.

Transparenz

Unternehmen müssen nachvollziehen können, wie Systeme zu bestimmten Ergebnissen oder Aktionen gelangen.

Governance

Verantwortlichkeiten, Regeln und Grenzen für autonome Entscheidungen müssen eindeutig definiert sein.

Sicherheit

Zugriffe auf Unternehmensdaten und operative Systeme müssen kontrolliert und abgesichert werden.

Verantwortung

Auch bei autonomen Prozessen muss klar sein, wer für Entscheidungen und Ergebnisse verantwortlich ist.

Veränderung der Arbeitsweisen

Mitarbeiter übernehmen stärker Aufgaben wie Steuerung, Kontrolle, fachliche Bewertung und die Bearbeitung komplexer Ausnahmefälle.

Autonomous Enterprise im SAP-Umfeld

Im SAP-Umfeld steht Autonomous Enterprise für die Entwicklung hin zu Geschäftsprozessen, die durch künstliche Intelligenz und Automatisierung zunehmend selbstständig arbeiten können.

Technologien wie SAP Joule, SAP Business AI und KI-Agenten verbinden intelligente Funktionen mit Unternehmensdaten, Geschäftsanwendungen und bestehenden Geschäftsprozessen. Dadurch können Informationen kontextbezogen verarbeitet und bestimmte Aufgaben zunehmend selbstständig ausgeführt werden.

SAP Joule übernimmt dabei insbesondere die Rolle eines intelligenten Assistenten innerhalb der SAP-Landschaft. Die Interaktion über natürliche Sprache erleichtert den Zugang zu Unternehmensinformationen und intelligenten Funktionen. In Verbindung mit weiteren KI- und Agenten-Technologien kann daraus eine stärker automatisierte und autonome Prozessausführung entstehen.

Wichtig ist die Abgrenzung: Autonomous Enterprise ist kein einzelnes SAP-Produkt. Der Begriff beschreibt vielmehr ein übergeordnetes Konzept für die Weiterentwicklung von Unternehmen und ihren Geschäftsprozessen.

Die Entwicklung hin zu einem Autonomous Enterprise verbindet Geschäftsprozesse, Daten, Technologie und Organisation. Unternehmen müssen dabei nicht nur einzelne KI-Funktionen einführen, sondern auch prüfen, wie diese sinnvoll in bestehende Prozesse und Systemlandschaften integriert werden können.

Autonome Geschäftsprozesse gezielt entwickeln

Der Weg zum Autonomous Enterprise beginnt mit einer klaren Betrachtung der eigenen Geschäftsprozesse, Daten und technologischen Voraussetzungen. cbs unterstützt Unternehmen dabei, Business AI in den Geschäftskontext zu integrieren und den Einsatz von KI-Agenten auf dem Weg zum Agentic Enterprise gezielt weiterzuentwickeln.

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