Vom manuellen Compliance-Aufwand zum effizienten AI-Backbone

Der Stahlhersteller GMH Gruppe verarbeitet mithilfe von AI Werkszeugnisse und andere Dokumente. Mit cbs AID (Advanced Integration of Documents) werden Daten mit einer Genauigkeit von 99,79% extrahiert und in SAP überführt. Dies erhöht den Automatisierungsgrad und die Prozesssicherheit, während die Ablösung veralteter OCR-Lösungen Kostenvorteile schafft. Die genutzten Effizienz- und Effektivitätspotentiale unterstützen die GMH Gruppe bei der Transformation hin zu grünem Stahl.

Über die GMH Gruppe

Die GMH Gruppe ist ein führender deutscher Stahlerzeuger und -Verarbeiter mit Sitz in Georgsmarienhütte, Niedersachsen. Die Unternehmensgruppe umfasst mehr als 15 mittelständische Produktionsunternehmen mit rund 6.000 Beschäftigten. Als Vorreiter bei der Produktion von grünem Stahl verwendet die GMH Gruppe in der Herstellung hochmoderne Elektrolichtbogenöfen, die 80 Prozent weniger CO2-Emissionen verursachen als konventionelle Produktionsverfahren. Dabei wird fast ausschließlich Recycling-Material verarbeitet.

Aufbau eines AI-Backbones

Informationen aus Dokumenten extrahieren und diese in ein SAP-System eingeben: Dieser fehleranfällige Vorgang führt zu Verzögerungen und hindert Beschäftigte daran, höherwertige Tätigkeiten auszuführen. Die GMH Gruppe, hat sich zum Ziel gesetzt, den Aufwand der Dokumentenverarbeitung umfassend zu reduzieren und Mitarbeitende zu entlasten. Beginnend mit Werkszeugnissen hat der Stahlerzeuger einen leistungsstarken AI-Backbone geschaffen, der um weitere Dokumententypen erweitert wird. Mit dem Projekt G.A.D.G.E.T. hat GMH einen Compliance-Bottleneck in einen strategischen Vorteil verwandelt.

Dass GMH mit Werkszeugnissen begann, war kein Zufall. In der Stahlproduktion wird jede Lieferung von Vormaterial von einem solchen Dokument begleitet. Hierbei handelt es sich um Prüf- und Abnahmezertifikate, die essenziell für die SAP-basierte Produktionsplanung sind. Sie enthalten Qualitäts- und Compliance-relevante Informationen wie Charge, Auftragsnummer und chemische Zusammensetzung. Als Pionier in der CO2-armen Stahlproduktion verwendet die GMH Gruppe zu fast 100 Prozent Recyclingmaterial. Das bringt Herausforderungen mit sich: Die Zahl der Lieferanten und deren Lieferungen ist sehr groß, entsprechend muss eine hohe Zahl von Werkszeugnissen erfasst und in das SAP-System überführt werden. Roman Michel, Senior Consultant SAP MM bei GMH Systems, erkärt:

„Werkszeugnisse sind überaus komplex. Aufgrund ihres hohen Aufkommens und Wichtigkeit für unsere Produktionsprozesse benötigten wir eine Lösung, die diese Werkszeugnisse sowohl fehlerfrei als auch mit möglichst wenig Aufwand verarbeitet.“

Bisher wurden herkömmliche OCR-Lösungen (Optical Character Recognition, optische Zeichenerkennung) verwendet. Diese nutzten Templates für die Erkennung und erfüllten nicht die Anforderungen hinsichtlich Flexibilität und Kosteneffizienz. Werkszeugnisse ändern sich häufig in ihrem Aufbau, was eine ebenso häufige und teure Anpassung der Software nötig machte. Einzelne Werke extrahierten die Informationen zudem komplett manuell, was zeitaufwendig und fehleranfällig war.

Die GMH Gruppe entschloss sich, diese Werkszeugnisse mit einer einheitlichen, modernen AI-Lösung konsequent zu digitalisieren. Die Wahl fiel auf cbs AID – Advanced Integration of Documents. „Es bestand Bedarf nach einer modernen und einfach zu wartenden Lösung, die einen einheitlichen Prozess für alle Lieferanten mit hoher Genauigkeit gewährleistet. Genau hier erwies sich cbs AID als die optimale Wahl“, sagt Roman Michel. Zudem gestaltete cbs Architektur und Implementierung mit.

Automatisierung durch AI

cbs AID nutzt Agentic AI und benötigt keine Templates oder lieferantenspezifisches Training. Die SAP BTP-basierte Lösung erfasst zunächst alle verfügbaren Informationen aus dem Dokument und führt anschließend eine kontextbezogene Analyse durch, um die relevanten Daten zu identifizieren und zu extrahieren. Dank der Integration über die SAP BTP in das Backend-ERP-System werden die Daten verifiziert, inklusive einem Warnungssystem bei Abweichungen für Endnutzer. Nach einer abschließenden menschlichen Prüfung über ein Dashboard werden die Daten automatisch in das SAP-System übertragen. Als Custom AI wird cbs AID kundenindividuell auf die jeweiligen Anforderungen angepasst und übertrifft so Standard AI-Lösungen hinsichtlich Genauigkeit und Flexibilität deutlich. Mit der SAP BTP als Layer sind die KI-Services sauber vom SAP-Kern entkoppelt und trotzdem tief in die Prozesse integriert.

Nach dem Proof of Concept führte die GMH Gruppe cbs AID zunächst in den Pilot-Werken ein und erzielte eine nahezu perfekte Extraktionsgenauigkeit von 99,79 Prozent. „Das ist ein hervorragender Wert. Die Lösung übertrifft herkömmliche Extraktionsmethoden in Bezug auf Qualität und Geschwindigkeit deutlich. Wir sparen Kosten, minimieren Fehler im Prozess, steigern die Datenqualität und die operative Effizienz”, erklärt Roman Michel. Die Lösung funktioniert – und der Impact ist messbar. Da cbs AID auch sich ändernde Formate und neue Lieferanten zuverlässig erkennt, ohne neu trainiert werden zu müssen, werden Wartungskosten um 95 Prozent reduziert. Es fallen keinerlei Aufwände beim Onboarding von neuen Lieferanten oder Layouts an. Dadurch wird innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren ein positiver Return on Investment von 230 Prozent erreicht. Die Lösung wird nun kontinuierlich in weitere Werke ausgerollt.

Weitere Dokumententypen im Fokus

Das cbs AID Framework ist flexibel, skalierbar und leicht mit weiteren Dokumententypen erweiterbar, von Rechnungen bis zu komplexen Formularen. Aufbauend auf den gemachten Erfahrungen weitet die GMH Gruppe aktuell die Verwendung von cbs AID zügig auf Lieferscheine und Auftragsbestätigungen aus.

„Unser Anspruch ist, nicht nur im Bereich grüner Stahl innovativ sein, sondern auch im Einsatz von AI. Entsprechend treiben wir weitere Use Cases voran”, hebt Roman Michel hervor. Dafür wurde ein AI-Backbone geschaffen, der durch intelligentere, zuverlässigere und schnellere Abläufe, die Green-Steel-Strategie der GMH-Gruppe und deren Position als Brancheninnovator stärkt.