Von der Migration zur strategischen Cloud-Transformation

31. März 2026

SAP S/4HANA und die Cloud bilden heute die unverzichtbare Grundlage für zukunftsfähige Unternehmen. Doch der erhoffte Mehrwert bleibt oft aus: Projekte dauern länger als geplant, Kosten steigen, Innovationen kommen nur schleppend voran. Die Ursache liegt selten im Zielsystem, sondern fast immer im Ausgangspunkt. Wer Altlasten ungefiltert in die Cloud überträgt, transformiert nicht, sondern konserviert bestehende Probleme.

Eine erfolgreiche Cloud-Transformation geht über die reine Migration bestehender Systeme hinaus. Sie bietet die Chance, Datenbestände zu konsolidieren, Prozesse zu verschlanken und den Custom Code gezielt zu modernisieren. So lässt sich das volle Potenzial der IT-Landschaft freisetzen. Genau hier setzt der strategische Ansatz an, der Unternehmen unterstützt, nicht nur Systeme zu bewegen, sondern echte Transformation zu gestalten. Durch gezielte Prüfung, Bereinigung und Optimierung von Daten, Prozessen und Systemen verwandelt sich die Cloud von einem reinen Zielsystem in eine Chance, Altlasten loszulassen und Innovationskraft freizusetzen.

Der Eisberg unter der Oberfläche: Technische Schulden

In der Praxis zeigt sich häufig nur die Spitze des Eisbergs: Daten, Prozesse und technische Funktionen, die sichtbar genutzt werden. Unter der Oberfläche liegen jedoch die eigentlichen Herausforderungen: technische Schulden in Form von Altlasten. Diese verlangsamen Transformationen, erhöhen Kosten und blockieren Innovation und Agilität.

Typische Altlasten sind:

  • Ein großer Datenfootprint, der Migration, Performance und Kosten negativ beeinflusst, insbesondere im RISE-mit-SAP-Kontext.
  • Überladene Prozesse, die schwer zu standardisieren sind und die Nutzererfahrung verschlechtern.
  • Veraltete Systemkomponenten, die nicht mehr cloud-kompatibel sind und zu echten Showstoppern werden können.
  • Unnötiger Custom Code, der Flexibilität einschränkt, Innovationen blockiert und Updates verlangsamt.

Clean Core als strategischer Hebel

Clean Core ist kein Buzzword, sondern der zentrale Lösungsansatz. Eine Transformation nach SAP S/4HANA darf kein reines Lift-and-Shift-Projekt sein. Entscheidend ist die bewusste Auseinandersetzung mit der Frage, was wirklich in die Zukunft mitgenommen werden soll.
Clean Core bedeutet gezieltes Aufräumen in drei Dimensionen:

  • Daten: Welche Daten werden heute genutzt? Welche werden künftig benötigt?
  • Prozesse: Welche Prozesse sind bewährt und bieten Wettbewerbsvorteile? Wo schafft der SAP-Standard mehr Wert?
  • Custom Code: Welche Eigenentwicklungen sind geschäftskritisch, welche können entfallen oder in die SAP BTP ausgelagert werden?

Wer sich frühzeitig mit diesen Fragen auseinandersetzt, spart Zeit und Kosten auf dem Weg zu SAP S/4HANA und schafft eine stabile Basis für zukünftige Innovationen.

Fit to Standard: SAP-Strategie konsequent zu Ende gedacht

Der Clean-Core-Gedanke deckt sich vollständig mit der SAP-Strategie. SAP setzt im Cloud-Umfeld konsequent auf Fit-to-Standard, modulare Services, minimale Eigenentwicklungen und saubere Datenlandschaften.

Für Unternehmen bedeutet das: Nicht jede historisch gewachsene Lösung ist ein Wettbewerbsvorteil. Oft ist sie schlicht Gewohnheit. Transformationen, die versuchen, das alte System eins zu eins in der Cloud nachzubilden, werden zwangsläufig komplexer, langsamer und teurer. Es gilt, mutig zu priorisieren und bewusst loszulassen. So profitieren Unternehmen von kürzeren Projekten, geringeren Kosten und einer Plattform, die Innovation tatsächlich ermöglicht.

Praxisbeispiele: Zwei Wege, ein Ziel

Führendes Bio-Tech-Unternehmen: Radikaler Neuanfang

Ein führendes Bio-Tech-Unternehmen entschied sich bewusst für einen vollständigen Greenfield-Ansatz. Ziel war ein einheitlicher, globaler, digitaler Backbone – ohne historische Altlasten, mit klaren Governance-Strukturen und höchster Datenqualität von Beginn an.

Historische Systeme wurden nicht migriert, sondern konsequent ersetzt. Das Ergebnis ist eine der größten Cloud-Transformationen der Branche mit zehntausenden Anwendern weltweit. Entscheidend für den Erfolg war nicht nur die Technologie, sondern die Klarheit der strategischen Entscheidung.

Globaler Pharmakonzern: Geschwindigkeit mit Augenmaß

Der globale Pharmakonzern STADA wählte einen selektiven Ansatz mit klarem Fokus auf Finance und gezielten Innovationen in der Logistik. Das Leitmotiv lautete „Speed beats Perfection“.

Statt jahrelang alte Strukturen zu optimieren, wurde eine zentrale SAP-S/4HANA-Plattform als digitales Rückgrat etabliert. Altlasten wurden gezielt reduziert, relevante Eigenentwicklungen in die SAP BTP verlagert und Prozesse dort standardisiert, wo es echten Business Value brachte. Das Ergebnis: schnelle Produktivsetzung, klare Prioritäten und eine skalierbare Plattform für die nächsten Transformationsschritte.

Schlüsselfaktoren erfolgreicher Transformation

Diese Praxisbeispiele machen deutlich, dass sich in erfolgreichen Transformationen immer wieder dieselben Faktoren als entscheidend herausstellen, unabhängig vom gewählten Ansatz:

  • Konsequenter Clean-Core-Fokus: Reduktion von Daten, Prozessen und Custom Code, um Altlasten zu vermeiden.
  • Fit-to-Template statt Fit-to-Old: Nutzung bewährter Standards und Best Practices statt der Nachbildung historischer Systeme.
  • Klare Governance und Steuerung: Besonders wichtig in globalen Programmen, um Komplexität zu beherrschen.
  • Striktes Scope- und Prioritätenmanagement: Nur was strategisch relevant ist, wird umgesetzt; so werden Zeit, Kosten und organisatorische Belastungen kontrolliert.
  • Business-getriebene Transformation: Fachbereiche aktiv einbinden, statt das Projekt rein IT-gesteuert umzusetzen.

Fazit: Klarheit schafft Mehrwert

Die Cloud ist gesetzt. Der Unterschied zwischen Erfolg und Enttäuschung liegt in der konsequenten Umsetzung. Wer Transparenz über Daten, Prozesse und Eigenentwicklungen schafft und sich einem strategischen Clean-Core-Ansatz verpflichtet, legt den Grundstein für schnelle, effiziente und zukunftsfähige Transformationsprojekte. So entsteht nicht nur eine stabile IT-Landschaft, sondern auch eine Plattform, die Innovation ermöglicht und das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig macht.

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Bernhard Rother
Consulting Director SLT
Nina Seiler
Consulting Director SLT
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