3 Thesen, warum Logistik-Transformationen scheitern und wie Sie von Anfang an die richtigen Weichen stellen

26. Juni 2026

SAP EWM, TM und SAP Logistics Management setzen neue technologische Standards. Warum diese Transformation jetzt notwendig ist und wie Unternehmen die richtigen Weichen stellen, bevor sie starten.

Viele Logistik-Transformationen scheitern nicht an der Technologie, sondern am falschen Start. Zwar steht die Modernisierung der Logistik bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Agenda, doch die operative Realität ist häufig weiterhin von fragmentierten Strukturen, manuellen Abläufen und isolierten Prozesssilos zwischen Lager, Transport und Abfertigung geprägt.

Systeme sind oft nicht integriert, Medienbrüche und papiergestützte Prozesse bleiben verbreitet. Stabilisiert werden diese Strukturen meist durch Erfahrung, Kommunikation und Improvisation der Mitarbeitenden. Gleichzeitig fehlen Transparenz und Datenqualität, um Optimierungspotenziale gezielt zu nutzen.

Mit steigender Lieferkettenkomplexität, Kostendruck, Fachkräftemangel, neuen Technologien und der Abkündigung etablierter SAP-Logistiklösungen wächst der Handlungsdruck weiter. Logistik-Transformation ist damit keine optionale Verbesserung mehr, sondern eine strategische Aufgabe.

These 1: Logistik-Transformationen scheitern nicht an der Technologie, sondern am falschen Start

In dieser Situation zeigt sich ein zentrales Muster: Transformationen scheitern selten an der Technologie, sondern häufig bereits am falschen Einstieg. Viele Initiativen beginnen mit einer rein funktionalen Diskussion. Es wird gefragt, welche Features eine Lösung bietet, welche Automatisierungsfunktionen vorhanden sind oder ob KI integriert ist.

Alternativ wird versucht, bestehende Prozesse unverändert in neue Systeme zu überführen oder durch globale Templates pauschal zu standardisieren. Beide Ansätze verhindern jedoch, dass die eigentliche Chance der Transformation genutzt wird. Statt struktureller Verbesserung erfolgt lediglich ein technologischer Austausch, ohne dass echter Mehrwert entsteht.

Die Wahl der passenden Logistiklösung hängt von der Ausgangssituation, der Prozesskomplexität und den strategischen Zielen des Unternehmens ab.
Die Wahl der passenden Logistiklösung hängt von der Ausgangssituation, der Prozesskomplexität und den strategischen Zielen des Unternehmens ab.

These 2: Der Schlüssel liegt in einem klar formulierten Wertversprechen

Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt daher in einem klar formulierten Wertversprechen. Ausgangspunkt jeder Transformation ist die ehrliche Analyse bestehender Schwachstellen und Verbesserungspotenziale.

In Transport- und Lagerlogistik zeigt sich dies etwa in fehlender Transparenz über Frachtkosten, mangelnder Steuerbarkeit von Plan- und Ist-Kosten, langen Durchlaufzeiten im Wareneingang oder ineffizienten Prozessen, durch die finanzielle Vorteile wie Skontofristen ungenutzt bleiben.

Diese Potenziale müssen sichtbar gemacht, priorisiert und in konkrete Zielbilder übersetzt werden. Erst dann lässt sich entscheiden, welche technologischen Lösungen sinnvoll sind.

Eine erfolgreiche Transformation folgt einem strukturierten, wertorientierten Vorgehen: Maßnahmen werden nach Wertpotenzial und Umsetzungsaufwand priorisiert und stufenweise eingeführt, um früh sichtbaren Mehrwert zu schaffen, Akzeptanz aufzubauen und die Transformation gezielt weiterzuentwickeln.

Im SAP-Umfeld stehen dafür verschiedene Logistiklösungen bereit: leistungsstarke Systeme für komplexe Strukturen ebenso wie schlankere Cloud-Lösungen für weniger komplexe Szenarien.

Der entscheidende Perspektivwechsel lautet:
Vom Feature-Denken zum Wertbeitrag, also weg vom „Welche Funktion will ich“ , zu „Welchen Mehrwert will ich erreichen?“

Es gibt dabei keine universell richtige Lösung. Die Systemlandschaft muss zu den Anforderungen des jeweiligen Standorts passen: Große, komplexe Logistikstandorte benötigen einen anderen Funktionsumfang als kleinere oder weniger kritische Einheiten. Erfolgreiche Architekturen kombinieren unterschiedliche Lösungen daher sinnvoll in einem hybriden Ansatz.

Auch bei künstlicher Intelligenz entsteht Mehrwert nicht aus der Technologie selbst, sondern aus ihrem gezielten Einsatz. KI kann etwa Anwender durch die Prozesskonfiguration führen und manuelle Tätigkeiten reduzieren.

Langfristig zielt die Entwicklung auf ein autonomes Unternehmen, in dem Systeme Routineaufgaben übernehmen und Mitarbeitende sich auf Steuerung und Ausnahmen konzentrieren. Voraussetzung bleiben jedoch saubere Prozesse und ausreichende Datenqualität; ohne diese Grundlage bleibt der Nutzen von KI begrenzt.

These 3: Der Erfolg der Transformation entsteht vor der eigentlichen Implementierung

Ein weiterer entscheidender Faktor liegt in der Vorbereitung der Transformation. Der größte Hebel für den Erfolg eines Projekts liegt nicht in der Implementierung, sondern in der vorgelagerten Analyse- und Konzeptionsphase.

Dazu gehört ein vollständiges Verständnis der tatsächlichen Prozesse, das oft über die dokumentierten Abläufe hinausgeht. Ebenso wichtig ist eine realistische Einschätzung der Datenqualität und der Integrationsanforderungen zwischen Systemen. Eine konsequente End-to-End-Betrachtung der Prozesse ist unerlässlich, um isolierte Optimierungen zu vermeiden.

Besonders häufig unterschätzt wird zudem das organisatorische Change Management. Die Einführung neuer Lösungen erfordert nicht nur technische Anpassungen, sondern auch Veränderungen in Arbeitsweisen, Verantwortlichkeiten und Denkmodellen.

Die fünf häufigsten Ursachen, warum Logistik-Transformationen scheitern

In der Praxis lassen sich fünf typische Ursachen identifizieren, warum Logistik-Transformationen scheitern:

  1. die Unterschätzung der Komplexität
  2. ein unklar definierter Scope
  3. eine unzureichende Einbindung der Stakeholder
  4. eine fehlende End-to-End-Sicht sowie
  5. Defizite in der Integration und im Zusammenspiel der Systeme.

Diese Herausforderungen sind bekannt und wiederkehrend. Gleichzeitig sind sie vermeidbar, wenn sie frühzeitig adressiert werden.

Die Transformation der Logistik ist damit weit mehr als ein IT-Projekt. Sie bietet die Möglichkeit, die Logistik als strategischen Differenzierungsfaktor im Unternehmen zu etablieren. Voraussetzung dafür ist ein klar strukturierter, wertorientierter Ansatz, der Technologie, Prozesse und Organisation gleichermaßen berücksichtigt.

Unternehmen, die diesen Weg konsequent gehen, schaffen die Grundlage für mehr Effizienz, Transparenz und Resilienz in ihrer Supply Chain und sichern sich langfristige Wettbewerbsvorteile.

Wenn Sie sich aktuell mit der Transformation Ihrer Logistik befassen, ist der entscheidende erste Schritt nicht die Auswahl einer Lösung, sondern die fundierte Standortbestimmung.

Die cbs „Compass“-Ansätze für Logistics Excellence unterstützen dabei, Transparenz über die bestehende Prozess- und Systemlandschaft zu schaffen, konkrete Wertpotenziale zu identifizieren und eine passgenaue Zielarchitektur für die Logistik und das Lager-Management zu entwickeln.

Mehr erfahren unter: https://www.cbs-consulting.com/next-one/supplychain/excellence/move/

Ihr Kontakt

Christiaan Carstens
Christiaan Carstens
Mitglied der Geschäftsleitung leogistics GmbH - a cbs Company
Consulting Director
Practice Sustainable Supply Chain & Manufacturing
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